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Acht Fragen an ...

Priv.-Doz. Dr. Patrick Wefstaedt

Tierärztliche Hochschule Hannover

 

An dieser Stelle beantworten Lehrende aus verschiedenen Disziplinen Fragen und geben uns darüber einen Einblick in ihren Lehralltag und ihre Erfahrungen.

 

1) Wenn Sie sich an Ihre ersten Erfahrungen als Dozent/in in einer Lehrveranstaltung erinnern, was fällt Ihnen dazu ein?

 

Das ist schon ewig her und müsste 2007 gewesen sein. Wenn ich mich recht entsinne sollte ich eine Vorlesung zum Thema Audiometrie bei Hund und Katze halten. Es sollte also um Hörtests gehen. Das Thema war wirklich undankbar und entsprechend eine recht trockene Angelegenheit. Ich hatte damals kaum Materialien vorhanden aus denen ich schöpfen konnte und naturgemäß auch noch wenig Erfahrung im Umgang mit den Studierenden. In der Vorlesung habe ich dann vor allem die apparativen Grundlagen vorgestellt. In den hinteren Reihen sind die Studierenden eingeschlafen aber wir haben uns da zusammen durchgekämpft. Aufgeregt war ich und hinterher froh, dass es vorbei war. Trotz allem hat es irgendwie Spaß gemacht und ich wollte weitermachen. Ansporn für die darauf folgenden Vorlesungen gegeben haben mir die vielen Fragen der Studierenden.

 

2) Was verbinden Sie mit dem Begriff „gute Lehre“? Was ist Ihnen besonders wichtig in der Lehre (neben den jeweiligen Fachinhalten)?

 

„Gute Lehre“ heißt für mich in erster Linie, dass eine Lernumgebung geschaffen wird, in der sich die Studierenden gerne an der Lehrveranstaltung beteiligen. Ohne Angst und die Befürchtung, permanent beurteilt zu werden. „Gute Lehre“ sollte bei Studierenden Lust darauf machen, sich mit Themen selbständig auseinander zu setzen, selbst wenn einzelne Inhalte mal nicht prüfungsrelevant sind. Daneben ist mir wichtig, dass die Studierenden wissen, dass ich sie als Persönlichkeiten respektiere und dass es mir am Herzen liegt, dass die Inhalte bei ihnen ankommen.

 

3) Besondere Herausforderungen in der Lehre - welches Erlebnis oder welche Situation fällt Ihnen dazu ein? Wie sind Sie damit umgegangen? Was haben Sie daraus gelernt?

 

Besondere Herausforderungen in der Lehre stellen für mich Vorlesungen mit sehr vielen Teilnehmern dar. Hier fällt es schwerer als in kleinen Seminarveranstaltungen, die Studierenden zu aktivieren und während der Vorlesung nicht zu verlieren. In der Regel muß ein recht umfangreicher „Stoff“ durchgenommen werden, so dass eine gute Strukturierung wichtig ist. Daneben versuche ich innerhalb der Vorlesungsthemen klare Schwerpunkte zu setzen und aus meiner Sicht weniger wichtige Bereiche wegzulassen. Auf diese Weise wird in der Vorlesung etwas mehr Raum geschaffen, um sich auszutauschen, Zwischenfazits zu ziehen und den Lernstoff zu festigen.

 

4) Wie nehmen Sie aktuell die Studierenden wahr in Ihrem Studierverhalten – beobachten Sie Veränderungen im Vergleich zu früheren Jahrgängen? Welche Bedeutung hat das evtl. für Ihre Planung und Durchführung von Lehrveranstaltungen?

 

Ich beobachte, dass seit einigen Jahren wieder mehr Studierende in die Vorlesungen kommen und dass es einen offeneren, ungezwungeneren Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden gibt. Es gibt eine deutliche Zunahme von Online-Lehrangeboten, die von den Studierenden sehr gerne angenommen werden. Gerade bei diesen Veranstaltungen ist die Hemmschwelle, Fragen zu stellen und sich zu beteiligen offenbar deutlich niedriger als bei klassischen Vorlesungen, so dass es zu einem regen Austausch kommt. Ansonsten fällt mir auf, dass die Bedeutung von Beurteilungen und Bewertungen für die Studierenden stark zunimmt. Auf der einen Seite ist das sicherlich gut, da erfolgsorientiert gelernt wird. Auf der anderen Seite bin ich der Überzeugung, dass hierdurch der Spaß am Thema und die Bereitschaft sich auch mit Themen zu befassen, die vielleicht auch nicht prüfungsrelevant sind, deutlich abnimmt.

 

5) Gibt es eine Methode, die Sie besonders gern einsetzen, um Studierende zu aktivieren und zu beteiligen?

 

Was ich in den letzten Veranstaltungen häufiger eingesetzt habe waren provokante Fragen oder Statements als „Opener“ für eine Lehrveranstaltung. Anschließend gibt es eine kleine Murmelrunde in der sich die Studierenden für 1-2 Minuten zum Thema austauschen können. Das funktioniert hervorragend, um die Studierenden auf das Thema vorzubereiten und macht den meisten auch Freude.

 

6) „Viel Stoff – wenig Zeit“: Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

 

In der Tat ein großes Problem. In meinem Bereich kann man in den Lehrveranstaltungen lediglich einzelne Themenbereiche herauspicken, die besonders wichtig erscheinen. Auch diese einzelnen Lehrveranstaltungen können nicht derart in die Tiefe gehen, wie es eigentlich notwendig wäre. Entsprechend versuche ich die Veranstaltung so zu gestalten, dass bei den Studierenden hoffentlich das Interesse geweckt wird, den Stoff im Selbststudium zu vertiefen. Einfach ist das jedoch nicht, da die Studierenden der Tiermedizin eine Vielzahl von Fächern in enger Taktung durchnehmen. Da bleibt kaum Zeit für ergänzendes Lernen.

 

 

7) Gibt es ein Erlebnis im Rahmen einer Lehrveranstaltung, an das Sie sich besonders gern erinnern?

 

Auf jeden Fall. Ich habe einmal für Biomedizintechnikstudenten eine Seminarveranstaltung zu Hüftgelenkprothesenversorgung beim Hund gemacht. Das Ganze war eine Art Blockseminar an einem Vormittag zu dem ich viele Anschauungsmaterialien mitgebracht habe. Zu Beginn der Veranstaltung habe ich Themen an die Studierenden verteilt, die sie dann eigenständig in kleinen Gruppen bearbeiten und für Mini-Referate vorbereiten mussten. Im Endeffekt musste ich lediglich ein wenig moderieren, die Studierenden haben sich komplett gegenseitig unterrichtet. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, dass durch diese Art der Lehre wohl mit am meisten gelernt wird.

 

8) Wenn Sie auf unsere Bildungslandschaft in Deutschland schauen und drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

 

Ich würde mir als erstes wünschen, dass der akademische Mittelbau gestärkt wird. Die Stellen an den Universitäten sind in meinem Bereich oftmals befristet und schlecht dotiert. Hier müsste dringend etwas verbessert werden, um talentierte Leute an der Hochschule zu halten. Als zweites würde ich mir wünschen, dass man als Lehrender seinen Schwerpunkt entweder im Bereich der Forschung oder der Lehre setzen kann. Momentan haben wir die Situation, dass eine Art „eierlegende Wollmilchsau“ erwartet wird, die Forschung, Lehre und z.T. auch noch die klinische Betätigung in gleichem Maße abdeckt. Dieser Ansatz führt nach meiner Meinung zu einem Qualitätsverlust in allen genannten Bereichen. Als drittes würde ich mir wünschen, dass die Professionalisierung der Lehre weiter vorangetrieben wird. Hier sind schon tolle Ergebnisse erreicht worden.

 

 

 

Herzlichen Dank für den Beitrag!

 

 

 

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