8 Fragen an Peter Schiffer

Acht Fragen an ...

Br. Prof. Dr. Peter Schiffer OSCam

 

Professur Pflegewissenschaft

Evangelische Hochschule Ludwigsburg

An dieser Stelle beantworten Lehrende aus verschiedenen Disziplinen Fragen und geben uns darüber einen Einblick in ihren Lehralltag und ihre Erfahrungen.

 

1) Wenn Sie sich an Ihre ersten Erfahrungen als Dozent/in in einer Lehrveranstaltung erinnern, was fällt Ihnen dazu ein?

 

Meine allererste Lehr-/Lerneinheit von 90 Minuten ohne Pause, war zum Thema Fieber und der pflegerische Umgang damit (Auftakt). Vorbereitet bis über die Haarspitzen habe ich es geschafft, Tafel (Kreide), OHP (Overhead Projektor), Demomaterialien (6 Thermometertypen u. a. mit Schutzhüllen), Episkop (das wurde damals noch genutzt), Arbeitsblätter zum Ausfüllen, mich mit meiner Stimme und Präsenz mit- und nacheinander zu nutzen. Anschließend war ich ganz fertig aber glücklich. Die Auszubildenden haben mir später mein Engagement positiv bewertet und gelacht.

 

2) Was verbinden Sie mit dem Begriff „gute Lehre“? Was ist Ihnen besonders wichtig in der Lehre (neben den jeweiligen Fachinhalten)?

 

Aus der Konfluenz, in den Kontakt zur Begegnung, über zeitlich befristete Lehr-/Lern- Beziehung zu einem wechselseitigen hilfreichen, sinnstiftenden Ergebnis zu kommen und dies in Reflexivität. Daraus über Lösung und Abschied

zu einer nachhaltigen, positiv wirksamen Erinnerung.

 

3) Besondere Herausforderungen in der Lehre - welches Erlebnis oder welche Situation fällt Ihnen dazu ein? Wie sind Sie damit umgegangen? Was haben Sie daraus gelernt?

 

Eine Balance von Inhalt und Form. Substanzieller Inhalt und angemessene Form, welche eine wissenschaftliche Haltung anzeigt. Manche Hausarbeiten sind inhaltlich gut aber scheitern im Punkt erwartete Form (das geht auch umgekehrt oder beides gleichzeitig), obwohl die Anforderungen transparent gemacht wurden und sind. Ich habe die Bewertungsgewichtung der Einhaltung von vorgegebenen formalen Standards deutlich erhöht. Nicht alleine darauf vertrauen, dass das gesprochene Wort, die schriftlich frei verfügbaren Standards auch

selbstverständlich umgesetzt werden.

 

4) Wie nehmen Sie aktuell die Studierenden wahr in Ihrem Studierverhalten – beobachten Sie Veränderungen im Vergleich zu früheren Jahrgängen? Welche Bedeutung hat das evtl. für Ihre Planung und Durchführung von Lehrveranstaltungen?

 

Die Studierenden in der Pflege(-wissenschaft) tun sich schwerer an der Hochschule sozialisiert zu sein (lokaler Kontext) aufgrund der Mehrfachsozialisation in der Praxis, Berufsfachschule und der Hochschule (ausbildungsintegrierend). Ich erlebe die Studierenden aus den interdisziplinären Kursen (Studierende in Vollzeit) deutlich kritischer bezüglich E-Learning. Zum Teil wird mehr Präsenzlehre gewünscht. Ich versuche eine situative Balance zwischen Präsenzlehre, persönlicher Beratung und E-Learningangeboten möglich zu machen.

 

5) Gibt es eine Methode, die Sie besonders gern einsetzen, um Studierende zu aktivieren und zu beteiligen?

 

Ja, Fallbesprechungen bzw. „Problem Based“, an ausgewählten exemplarischen Fällen oder realen (Praxis-) Fällen, gelebtes Leben aus Pflege, Medizin, Bezugsdisziplinen, in kleineren Gruppen: Diese stellen nach der Bearbeitung ihren Prozess und die Ergebnisse der Großgruppe vor und diskutieren dies selbstgeleitet unter meiner Anwesenheit (Art „umgedrehtes Klassenzimmer“). Eingreifen tue ich nur bei substanziellen Fehlern bzw. gebe meine Einschätzung, wenn angefragt und zum Ende.

 

6) „Viel Stoff – wenig Zeit“: Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

 

Versuchen Selbstdisziplin anzustoßen, zum „Lesen“ motivieren, exemplarische Lehr-/Lernsituationen, Fallarbeit, Blended Learning, individuelle Beratung, wenn sich Studierende übercurricular fokussieren wollen.

 

7) Gibt es ein Erlebnis im Rahmen einer Lehrveranstaltung, an das Sie sich besonders gern erinnern?

 

In einem Projektbegleitseminar, eine Mischung von wechselseitiger Beratung, Input und Reflexion, wollte ein Studierendenpaar in ihrem Projekt ohne (wissenschaftliche) Literatur arbeiten, da es dazu keine gäbe, bzw. keine gefunden wurde. Am nächsten Tag habe ich ihnen zwei aktuelle, durchweg umfängliche und gediegene Studien zugesandt, zu ihrem Thema/Projekt, mit der Aufforderung diese Studien beim nächsten Treffen für alle konzentriert zu referieren. Das haben die beiden auch tatsächlich, etwas verschämt, aber „getriggert“ gemacht und daraus sind dann zwei Nachfolgeprojekte entstanden.

 

8) Wenn Sie auf unsere Bildungslandschaft in Deutschland schauen und drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

 

Da ich zurzeit eher die (Fach-)Hochschullandschaft im Blick habe folgende drei Wünsche, nicht hierarchisiert: Reduktion des Lehrdeputats zur Intensivierung von Blended Learning, Hebung von Lehrqualität im Sinne des inhaltlichen und methodischen „Aggiornamento“, Forschung auch mit und Begleitung (Wegbegleitung) der Studierenden wo gewünscht. Förderung von Lehre und Forschung im Ausland über Erasmus plus hinaus. Flexibleres Hochschulmanagement, der hybriden Organisation Hochschule, mit gut gerüsteten LeitungsmitarbeiterInnen.

 

 

 

 

Herzlichen Dank für den Beitrag!

 

 

 

Copyright © All Rights Reserved